paradies fluten

Eine Koproduktion von backsteinhaus produktion und Theater Rampe

Kautschuk fräst seine bleibende Spur durch die Geschichte der Globalisierung: im 19. Jahrhundert boomte der Kolonialismus. Das europäische Opernhaus in Manaus zeugt davon. Und ein krisengebeutelter Autoreifen-Kleinunternehmer in Deutschland versucht davon zu leben. Und im Plastik gehen die Ozeane unter. Eine Klimasinfonie für ein ertrinkendes Tanzensemble, ein erschöpftes Symphonieorchester, zwei Überlebende in Klimakapseln und eine durchschnittliche weiße mitteleuropäische Familie.

Im Moment des Ertrinkens rauscht ein letztes Mal die Geschichte vorbei. Nahe und ferne, fast vergessene Erinnerungen an einstige Paradiese, zunächst kolonialisiert, später vom globalen Markt unterspült und mitgerissen, tauchen auf.

Die Indiofrau in Brasiliens Dschungel, allgemeiner Kautschukboom, eine mitteleuropäische Autowerkstatt, das geplante Opernhaus für Manaus sowie andere Utopien, die Kleinfamilie und sogar persönliche Erinnerungen des Vaters – sie werden noch einmal sichtbar, bevor alle endgültig versinken.

Tänzer*innen, Schauspieler*innen, Musiker*innen und Text triften durch eine enorme Flut bis zur völligen Erschöpfung allen Materials und damit bis zum Untergang des globalen Markts selbst.

Theater Rampe und backsteinhaus produktion haben das Treibgut der Flut sorgsam aufgelesen und in einem Museum des Kapitalismus arrangiert. Die Exponate datieren von 1890 bis 2017 und sind das Gedächtnis einer Epoche des Überflusses und Untergangs.

 

 

Presse:
»Den beiden Regisseurinnen gelingt es, die Textflut, die an mancher Stelle vor lauter Tiefsinn flüchtig vorbeirauscht, auf mehrere Bildebenen zu bringen. Als Zuschauer weiß man oft gar nicht, wo man hinschauen und hinhören soll. Da zitieren und monologisieren durchweg starke Performer*innen, sie klettern dabei und hängen von den Wänden bis zum Ende ihrer Kräfte. … Kurz vor der Kapitulation ist angesichts der vielen Eindrücke immer auch der Zusehende. ›Paradies fluten‹ ist ein Durcheinander, aber kein Chaos. Abwechslungsreich getragen von drei Musikern an Bass, Schlagzeug, Klarinette, Synthesizer oder Ukulele. …
Die Tänzer*innen fluten den Raum mit Bewegungen, die Schauspieler*innen mit Text. Irgendwann leuchtet der Zuschauerraum in Reizüberflutungs-Rot. Mit einer furiosen Abschiedsrede im Futur II – das, so sagt man, bald ausgestorben worden sein wird – endet der Abend. Er ist witzig und klug, untermalt mit liebevoll gemachter Livemusik, kurzweilig, toll.« Nora Voit, taz, 16. Juni 2017

»›Paradies fluten‹ ist eine Art szenische Lesung. In der Rampe gelingen auch dann intensive Momente, wenn Köcks kritische Endzeitanmerkungen Schleifen drehen. Eigentlich müsste das Futur II die Sprache dieses Stücks sein, dem ersten Teil einer Klimatrilogie. Sein Prolog spielt im Foyer der Rampe, zu diesem Anlass als ›Museum des Kapitalismus‹ gestaltet. Reifen baumeln von einem Galgen, ein Autowrack harrt dem Untergang der Zeit, die es hervorgebracht hat. Fast zynisch beginnt der Abend, wenn es ums Verglühen der Sonne geht, das alles menschliche Bemühen in Lava verwandelt haben wird. Bis dahin ist noch Zeit für gutes Theater. Also nicht verpassen.« Andrea Kachelrieß Stuttgarter Nachrichten, 19. September 2016

 

Premiere: 17. September 2016 // Theater Rampe, Stuttgart

Gastspiele:
6. Oktober 2016 // KleistfesttageKleist Forum, Frankfurt (Oder)
14. Juni 2017 // 20:00 Uhr // Autorentheatertage – Deutsches Theater, Berlin